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Umfrage: Ländliche Räume sind attraktiv!

Eine Umfrage vom Dezember 2014 unter der deutschen Bevölkerung zeigt, dass zwei Drittel der Deutschen ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität schätzen.

Viele Menschen schätzen ländliche Räume auch als attraktive Arbeitsorte, die Mehrheit jedoch teilt diese Ansicht nicht. Als Ort für die Erholung werden ländliche Räume hingegen von fast allen angesehen. Handlungsbedarf gibt es Sicht der Bevölkerung vor allem bei der Sicherung von Daseinsvorsorgeeinrichtungen wie zur ärztlichen Versorgung und Pflege älterer Menschen sowie beim Angebot von Kitas und Schulen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat 2014 zum zweiten Mal eine Umfrage über das Einkaufs- und Ernährungsverhalten in Deutschland sowie die Attraktivität des ländlichen Raumes in Auftrag gegeben. Mit der Durchführung der Umfrage wurde das Institut TNS Emnid aus Bielefeld beauftragt. Zwischen dem 11. und dem 15. Dezember 2014 wurden insgesamt 1.001 Personen telefonisch zum Einkaufs- und Ernährungsverhalten sowie zu den Aufgaben der Politik im Bereich der Ernährung und über die Einschätzung der Attraktivität der ländlichen Räume und gegebenenfalls erforderlicher Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität befragt.

Zentrale Ergebnisse aus kommunaler Sicht sind:

69 % der Deutschen schätzen ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität. Auch im Vorjahr hatten 68 % wurden ländliche Regionen als sehr attraktive oder attraktive Orte zum Leben bezeichnet.

Danach befragt, ob ländliche Räume ein attraktiver Ort zum Arbeiten sind, antworteten immerhin 41 % mit ja. Allerdings stellt dies einen Rückgang gegenüber dem letzten Jahr dar. 2013 sagten noch 45 %, das ländliche Räume ein attraktiver Ort zum Arbeiten sind. Mittlerweile halten 58 % der Menschen ländliche Räume für weniger oder nicht attraktiv als Arbeitssorte. Diese deutliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr lädt zu einer noch genaueren Betrachtung der Einschätzung ein. Die Einschätzung bleibt über alle Altersgruppen der Befragten hinweg gleich. Allerdings zeigt sich, dass Frauen zu einem deutlich höheren Anteil, nämlich zu zwei Dritteln, ländliche Regionen als weniger oder nicht attraktiv zum Arbeiten bezeichnen. Bedenkenswert ist auch, dass die negative Einschätzung von ländlichen Arbeitsorten unter Menschen mit einer hohen Bildungsqualifikation noch stärker ist. 70 % der höchsten Bildungsgruppe halten ländliche Regionen für einen wenig attraktiven Arbeitsort. In der niedrigsten Bildungsgruppe sind dies „nur“ 44 %.

Beinahe jeder hält ländliche Räume als attraktive oder sehr attraktive Orte für die Erholung. Die Zustimmung zu dieser Aussage lag bei 85 %. Auch diese Aussage hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert.

In der Untersuchung wurde auch nach Maßnahmen zur attraktiven Gestaltung ländlichen Lebens gefragt. Die vier wichtigsten Maßnahmen, die mehr als jeder Zweite als sehr dringlich bezeichnet hat, richten sich auf die Erhaltung von Daseinsvorsorgeangeboten. Ärztliche Versorgung und die Sicherstellung von Pflege betrachten 79 % der Befragten als sehr dringlich. 66 % bezeichnen die Erreichbarkeit von Kitas und Schulen als dringlich und noch 55 % betrachten die Erhaltung von Einkaufsmöglichkeiten als sehr dringlich. Der vierte Aspekt betrifft die Erhaltung der Natur, die 73 % als sehr dringlich einschätzen.

Fast jeder Zweite, nämlich 49 %, folgen der Einschätzung, dass die Verbesserung von Verkehrsanbindungen sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen auf dem Land sehr dringlich sind. Die bewerten tendenziell mehr Menschen mit einem niedrigen oder mittleren Bildungsabschluss so, als Menschen mit einem hohen Bildungsabschluss.

Ein lebendiges Kultur- und Vereinsleben wird ebenfalls als sehr dringlich von 47 % der Befragten angesehen. Ein schnelles Internet wird von 43 % der Befragten so bezeichnet. Eine weitere Erkenntnis ist, dass die ermittelten Ergebnisse, vor allem hinsichtlich der Einschätzung der zukünftigen Attraktivität ländlicher Räume als Orte zum Leben, in höherem Maße von den Bewohnern kleinerer und mittlerer Städte abgegeben werden. Dies zeigt der Vergleich zu Befragten aus Großstädten. Auch in Bezug auf ländliche Gebiete als Arbeitsort äußern sich Befragte aus Großstädten im Vergleich am skeptischsten.

Ergänzend zu den dargestellten Ergebnissen ist eine weitere Erkenntnis, dass die Deutschen ihre Lebensmitteleinkäufe hauptsächlich in Supermärkten, Discountern oder Fachgeschäften tätigen. Mindestens jeder zweite Verbraucher kauft häufig oder fast immer in einem der genannten Geschäfte ein. Wochenmärkte, die Direktvermarktung über Bauern oder der Einkauf im Bioladen sind vergleichsweise weniger weit verbreitet. Online-Lieferservice für Lebensmittel sind auch 2014, wie im Vorjahr, ein Nischenangebot.

Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

Die vom BMEL beauftragte Jahresumfrage zeigt, dass ländliche Räume ein großes Potenzial als Lebens- und Arbeitsräume für die Deutschen haben. Sie werden im Grundsatz als sehr positiv eingeschätzt. Der Umstand, dass diese Einschätzung bei Befragten aus Großstädten weniger deutlich ist, sollte Anlass zum Handeln sein. Es scheint, als ob die Einschätzung über die Qualität der ländlichen Standorte vom eigenen Erleben und der Erkenntnis ländlicher Regionen beeinflusst ist. Man könnte auch zugespitzt mit anderen Worten sagen, wer in einer Großstadt wohnt, kann sich Lebensumstände und Bedingungen in ländlichen nicht so gut vorstellen wie diejenigen, die ländliche Räume erleben.

Eine unbedingte Handlungsaufforderung ist jedoch der Befund, dass sowohl besonders gut ausgebildete Menschen als auch Frauen für sich weniger berufliche Perspektiven in ländlichen Räumen sehen. (Alle Ergebnisse entstammen der Quelle: BMEL/TNS Emnid 2014.)

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund setzt sich seit Jahren dafür ein, dass insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Regionen einschließlich der Schaffung von Arbeitsplätzen in der Politik für die ländliche Entwicklung eine größere Rolle spielt. Die starke Dominanz von Landwirtschaft und Umwelt in der ländlichen Entwicklungspolitik der letzten Jahrzehnte war als sektorale Politik erfolgreich, muss jedoch mit Blick auf die übrigen Wirtschaftsbereiche angepasst werden. Der DStGB begrüßt daher, dass die Koalitionsfraktionen die Forderung aufgegriffen haben, die Gemeinschaftsaufgabe für Agrarstruktur und Küstenschutz zu einer Gemeinschaftsaufgabe für ländliche Entwicklung weiter zu entwickeln.

Der Ergebnisbericht der BMEL-Jahresumfrage liegt beim BMEL vor und soll in nächster Zeit unter www.bmel.de veröffentlicht werden. Konkrete Nachfragen können an die E-Mail-Adresse L4@bmel.bund.de gerichtet werden.

(Quelle: DStGB-Aktuell 12 vom 20. März 2015)

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Peter Krey

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e-Mail: 
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